Die eigenen Eltern sind in vielerlei Hinsicht so etwas wie die therapeutischen Endgegner. Niemand bringt uns so schnell auf die Palme, niemandes Abwertung trifft uns so tief ins Herz und mit niemandem ist das Setzen einer Grenze so schwer wie mit den eigenen Eltern. In wenigen Beziehungen steht für Sie so viel auf dem Spiel, andererseits können Sie in kaum einer anderen Beziehung so sehr von gesunden Grenzen profitieren. Tawwab schreibt zudem: „Sie werden erwachsen, wenn Sie Grenzen gegenüber Ihren Eltern setzen.“ In der Beziehung mit den eigenen Eltern gesunde Grenzen zu setzen und durchzusetzen ist demnach ein notwendiger Schritt, um sich von ihnen zu emanzipieren.
Ihre Eltern neigen dazu, sich ungefragt in Ihre Konflikte mit anderen einzumischen, anstatt Ihnen den Raum zu lassen, diese selbst zu klären. Ihre Ansichten und Meinungen werden oft nicht ernst genommen oder sogar übergangen. Ohne Rücksicht auf Ihre Privatsphäre betreten sie Ihren persönlichen Bereich, ohne vorher um Erlaubnis zu bitten. Zudem erwarten sie, dass Sie ihren Vorstellungen und Entscheidungen ohne Widerspruch zustimmen. Aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus sagen Sie „ja“ zu ihren Wünschen, selbst wenn es Ihnen dabei nicht wohl ist.
Sie äußern Ihre Gefühle offen und ehrlich, ohne sich zurückzuhalten.
Ihre Zeit planen Sie so, wie es am besten zu Ihrem Alltag und Ihrem Lebensstil passt, ohne sich verpflichtet zu fühlen, jeder Familienveranstaltung beizuwohnen.
In Ihrem Zuhause legen Sie klare Regeln fest und lassen nicht zu, dass Ihre Eltern unangekündigt vor der Tür stehen.
Wenn es um Ihre Beziehung geht, bestimmen Sie selbst, wann und ob Sie Ihren Partner vorstellen, und dulden keine abwertenden Kommentare über ihn.
Sie haben gelernt, „Nein“ zu sagen und Ihre Konflikte eigenständig zu lösen, ohne dass Ihre Eltern sich ungefragt einmischen.
Dabei kommunizieren Sie offen, was Sie denken, und machen deutlich, welche Erwartungen Sie an den respektvollen Umgang mit Ihrem Partner haben.
Geschenke, die mit unausgesprochenen Verpflichtungen verbunden sind, lehnen Sie konsequent ab.
Zudem setzen Sie klare Grenzen, wenn es um private Themen wie Ihr Liebesleben, die Familienplanung oder eine mögliche Hochzeit geht und machen deutlich, dass Sie keine unangenehmen Nachfragen wünschen.
Sollte ein Besuch bei der Familie anstehen, entscheiden Sie sich möglicherweise dafür, in einem Hotel zu übernachten, um Ihre Privatsphäre zu wahren und sich wohler zu fühlen.
„Ich date jemanden Neues. Wenn ihr ihn/sie kennenlernt, bitte fragt nicht, wann oder ob wir heiraten werden.“
„Ich werde zu Weihnachten nicht zu Hause sein, da ich mich entschieden habe, mit meinen Freunden zu feiern.“
„Bevor ihr vorbeikommt, will ich, dass ihr vorher anruft.“
„Ich möchte meine Gefühle ausdrücken, ohne zu hören, dass bestimmte Emotionen nicht in Ordnung sind.“
„Ich weiß, dass ihr es gut meint und nur das Beste für mich wollt, aber ich möchte die Dinge in meiner Beziehung ohne eure Ratschläge klären.“
„Ich nehme kein Geld von euch an, wenn es bedeutet, dass ich dafür etwas tun muss.“
„Ich verstehe, wie wichtig es euch ist, dass ich den Kontakt zur Familie halte, aber ich möchte diese Beziehungen so pflegen, wie ich es für richtig halte.“
„Wenn ich Probleme mit meiner Schwester habe, möchte ich nicht, dass ihr euch einmischt. Wir sind Erwachsene und können unsere Meinungsverschiedenheiten ohne eure Hilfe lösen.“
„Es ist mir unangenehm, wenn ihr über eure Beziehung sprecht. Bitte findet jemand anderen, dem ihr euch anvertrauen könnt.“
„Ich bin Vegetarier:in und würde es begrüßen, wenn ihr das bei der Zubereitung von Mahlzeiten für Familienfeiern berücksichtigt.“
Wie fühlt es sich für Sie an, Grenzen mit Familienmitgliedern zu setzen?
Wer glauben Sie wäre am ehesten bereit, sich auf Ihre neuen Grenzen einzulassen und diese zu akzeptieren?
Wer glauben Sie würde sich am schwersten mit Ihren neuen Grenzen tun?
Nennen Sie drei neue Grenzen, die Sie gern etablieren würden.
Was müssten Sie tun, damit Ihre Grenze respektiert wird?