Ich hoffe, dass Sie diese Gedanken und Fragen nutzen können, um Grenzen in Ihren eigenen Beziehungen zu setzen und gesunde Kommunikationsmuster aufzubauen. Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen, Sie versuchen, eine jahrelange oder gar jahrzehntelange Gewohnheit zu verändern. „Alle großen Dinge beginnen im Kleinen. Der Keim jeder Gewohnheit ist eine einzige, winzige Entscheidung. Doch wenn diese Entscheidung wiederholt wird, gedeiht eine Gewohnheit und wird immer stärker. Wurzeln bilden sich und Zweige wachsen. Das Aufgeben einer schlechten Gewohnheit gleicht dem Versuch, eine mächtige Eiche in uns zu entwurzeln. Und eine gute Gewohnheit zu entwickeln, ist wie das tägliche Pflegen einer zarten Blume.“ – James Clear: Atomic Habits
Viel Erfolg!
Durchlässige Grenzen sind schwach oder schlecht auf den Punkt gebracht. Sie führen zu Erschöpfung, Überforderung, Depression, Angst und einer ungesunden Beziehungsdynamik.
Beispiele: Sie neigen dazu, intime Details über Ihr Leben mit anderen zu teilen, oft mehr, als Ihnen im Nachhinein lieb ist. Ihre Beziehungen sind stark von Co-Abhängigkeit geprägt, sodass eine klare emotionale Abgrenzung zu bestimmten Personen schwerfällt. Das Wort „Nein“ über die Lippen zu bringen, fällt Ihnen extrem schwer, und stattdessen tun Sie oft Dinge, die Sie eigentlich nicht möchten, nur um anderen zu gefallen. Ihr Selbstwertgefühl hängt stark von der Bestätigung durch Ihr Umfeld ab, und die Angst, zurückgewiesen zu werden, kann Sie regelrecht lähmen. Aus diesem Muster heraus sagen Sie zu Verpflichtungen zu, die Ihnen widerstreben, und fühlen sich sogar dazu gedrängt, Geld zu verleihen, sei es aus Schuldgefühlen oder obwohl Ihre eigene finanzielle Situation es nicht zulässt.
Wenn wir sehr starke Grenzverletzungen erleben, reagieren wir mitunter dadurch, dass wir extrem strenge und starre Grenzen etablieren, um uns in Zukunft besser zu schützen. Starre Grenzen können aber viele Nachteile haben. Wenn wir beispielsweise niemanden emotional an uns ranlassen können, weil wir zu häufig verletzt wurden, vermeiden wir zwar weitere Verletzungen, gehen aber nicht die tiefen menschlichen Verbindungen ein, nach denen wir uns sehnen.
Während durchlässige Grenzen zu ungesunder Nähe führen, sind starre Grenzen ein Selbstschutzmechanismus, der dazu dient, Distanz aufzubauen. Menschen mit starren Grenzen lassen keine Ausnahmen von ihren strengen Regeln zu, selbst wenn es für sie gut wäre.
Starre Grenzen sind bei genauerem Hinsehen eine Form von Vermeidung: Ich bin unfähig, gesunde Grenzen zu setzen, deshalb vermeide ich Situationen, in denen dies nötig wäre. Ich halte so viel Abstand von Anderen, dass ich nie sagen muss, was meine eigentlichen Bedürfnisse sind und wie ich mir die Beziehung eigentlich wünsche.
Beispiele:
Sie halten persönliche Informationen strikt zurück und vermeiden es um jeden Preis, sich verletzlich zu zeigen.
Aus Angst vor Nähe neigen Sie dazu, Menschen auf Distanz zu halten oder ganz aus Ihrem Leben auszuschließen. Gleichzeitig haben Sie oft hohe Erwartungen an andere und setzen strenge Regeln durch, ohne viel Spielraum zu lassen.
Das Bitten um Hilfe fällt Ihnen schwer, da Sie tief davon überzeugt sind, alles allein bewältigen zu müssen.
Ihr Interesse am Leben anderer ist eher gering, und wenn jemand sich Ihnen gegenüber öffnet, fühlen Sie sich schnell überfordert.
Sobald eine Beziehung ernster wird, ziehen Sie sich möglicherweise zurück oder beenden sie ganz, aus Furcht vor zu großer Nähe.
Trotz all dieser Schutzmechanismen begleitet Sie ein ständiges Gefühl der Einsamkeit.
Die Lösung für solche zu starren Grenzen besteht oft darin, sie aufzulockern, andere näher an sich heranzulassen und mehr von sich selbst zu teilen. Fakt ist jedoch: Wenn ich mich verletzlicher mache, wird es wahrscheinlich in der Zukunft zu emotionalen Grenzverletzungen kommen. Das gehört zum menschlichen Miteinander schlicht dazu. Deshalb ist es umso wichtiger, gesunde Grenzen setzen zu können.
Gesunde Grenzen erfordern ein Bewusstsein für Ihre emotionalen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse und eine klare Kommunikation. Gesunde Grenzen schützen Ihre Bedürfnisse.
Beispiele:
Sie sind sich Ihrer eigenen Werte bewusst und können diese klar kommunizieren.
Ihre Meinung hat für Sie Gewicht, und Sie vertrauen darauf, was für Sie richtig ist.
Im Austausch mit anderen wahren Sie ein gesundes Gleichgewicht. Sie öffnen sich gegenüber Menschen, die Ihr Vertrauen verdient haben, ohne dabei Ihre eigenen Grenzen zu vernachlässigen.
Sie können Nein sagen, ohne sich rechtfertigen zu müssen, weil Sie wissen, dass es manchmal die beste Entscheidung für Ihr Wohlbefinden ist.
Gleichzeitig nehmen Sie ein Nein von anderen nicht persönlich, sondern respektieren deren Grenzen ebenso, wie Sie Ihre eigenen wahren.
Falls Sie jemanden finanziell unterstützen, tun Sie dies bewusst und nur dann, wenn es für Sie selbst tragbar ist, ohne sich in eine schwierige Lage zu bringen.
Wenn Sie herausfinden wollen, wie streng Ihre Grenzen sind, können Sie das Quiz von Tawwab auf Englisch ausfüllen: