Kommunikationsstile bezeichnen (wie der Name schon sagt) den allgemeinen Stil, in dem ein Mensch kommuniziert. Dieser Stil wirkt sich stark auf die eigene Fähigkeit aus, Grenzen zu setzen.
Passiv zu sein bedeutet, die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen und zu ignorieren, um anderen Menschen entgegenzukommen. Menschen, die passiv kommunizieren, haben Angst, wie andere auf ihre Bedürfnisse reagieren könnten – vielleicht, dass die anderen sie zurückweisen – und tun daher nichts, um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Sie lassen Grenzüberschreitungen zu, lassen sich nichts anmerken und schlucken ihren Ärger hinunter und fressen ihn in sich hinein.
Aggressive Kommunikation besteht darin, das Gegenüber mit Wut, Beleidigungen und schroffen Worten zu verletzen. Hinter der aggressiven Reaktion auf eine Grenzverletzung steht oft folgender Gedanke: Wenn ich die andere Person spüren lasse, wie wütend ich bin, wird sie schon merken, dass mein Bedürfnis verletzt wurde.
Beispiele: Sie setzen andere herab, um Ihre eigene Meinung durchzusetzen, und greifen dabei mitunter zu lautstarken Mitteln wie Schreien, Beleidigungen oder Flüchen, um Ihren Standpunkt zu unterstreichen. Anstatt sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren, bringen Sie vergangene Fehler oder Konflikte ins Spiel, um Ihr Gegenüber in Verlegenheit zu bringen oder ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Manchmal provozieren Sie bewusst Streit, sei es aus Frustration oder um eine Reaktion zu erzwingen. Ihr Humor ist oft von Zynismus geprägt, und Sie machen spöttische Bemerkungen, die Sie anschließend als harmlosen Scherz abtun – auch wenn Ihr Gegenüber verletzt reagiert.
Die passiv-aggressive Reaktion auf eine Grenzverletzung besteht aus zwei Teilen. Die Person ist passiv, weil sie nie ausdrücklich sagt oder auf Nachfrage zugibt, dass ihr Bedürfnis verletzt wurde. Auf der non-verbalen Ebene stellt sie ihren Ärger aber offen zur Schau. Auch hier ist die Erwartung, das Gegenüber werde an meiner Reaktion, meiner Miene, meinem Verhalten schon ablesen können, dass ich ärgerlich bin und mein Bedürfnis verletzt wurde. "Ich muss es nicht noch einmal ausdrücklich sagen, was ich will." Dies ist oft ein Trugschluss. Entweder mein Gegenüber kann mich nicht verstehen, weil meine Bedürfnisse für andere nicht so offensichtlich sind wie für mich. Oder der Andere will mich nicht verstehen und bis ich mein Bedürfnis ausdrücklich ausspreche, kann er es weiter ignorieren.
Beispiele:
Sie wirken oft verärgert, doch anstatt es offen zuzugeben, versuchen Sie, Ihre Gefühle herunterzuspielen.
In Konflikten lenken Sie vom eigentlichen Problem ab, indem Sie Vorwürfe erheben, die mit der aktuellen Situation wenig zu tun haben.
Ihre Stimmung schlägt scheinbar grundlos um, was für Ihr Umfeld schwer nachvollziehbar ist.
Vergangene Konflikte oder ungeklärte Probleme holen Sie immer wieder hervor, selbst wenn sie längst hätten abgeschlossen sein können.
Gleichzeitig neigen Sie dazu, über Dinge zu klagen oder sich über bestimmte Umstände zu beschweren, obwohl Sie die Möglichkeit hätten, etwas daran zu ändern, es aber nicht tun.
Ideal ist der direkte Stil („assertive style“), bei dem ich genau sage, was mein Bedürfnis ist und was ich in Zukunft von der anderen Person erwarte, ohne dabei aber aggressiv zu werden. Das bedeutet, ich spreche ruhig, aber bestimmt, rede nicht um den heißen Brei herum, sondern bringe auf den Punkt, was ich sagen will, verletze die andere Person nicht absichtlich, fasse sie aber auch nicht mit Samthandschuhen an.