Werte sind in ACT übergeordnete Lebensrichtungen (Kompassprinzip), die anzeigen, wie man handeln möchte, unabhängig von konkreten Ergebnissen.
Sie unterscheiden sich klar von Zielen: Ziele sind erreichbare Endpunkte, während Werte fortlaufende Richtungen bleiben, die nie „abgeschlossen“ sind.
Ziele liefern kurzfristige Orientierung und Zufriedenheit, verlieren aber nach Erreichen ihre Steuerungsfunktion; Werte bleiben dauerhaft handlungsleitend.
Wertearbeit erfolgt entweder top-down (Wert → konkrete Handlungen) oder bottom-up (Ziel → zugrunde liegender Wert) und macht sie alltagspraktisch nutzbar.
Die Umsetzung von Werten erfordert oft Defusion und Akzeptanz, da das Bewusstwerden von Diskrepanzen zwischen Ist und Soll emotional belastend sein kann, aber genau diesen Schmerz als „Preis“ einschließt.
„Wer ein Warum hat, erträgt jedes Wie.“ – Nietzsche
Mehrfach war nun schon davon die Rede, dass ACT dabei helfen kann, in Übereinstimmung mit unseren Werten zu handeln. Aber was sind Werte eigentlich genau? Werte sind mit einem Kompass vergleichbar. Werte zeigen an, in welche Richtung Sie gehen wollen. Werte bieten Ihnen also eine Orientierung, um Ihr Handeln auszurichten. Man könnte auch sagen, Werte sind das, was Sie benutzen, wenn Sie bewerten, ob eine Handlung gut oder schlecht ist.
Wichtig ist, dass Werte nicht das Gleiche sind wie Ziele, auch wenn beide eng zusammenhängen. Wenn Sie sich eine Landkarte vorstellen, ist der Wert wie eine Himmelsrichtung: Der Wert gibt die Richtung vor, in die Sie sich bewegen wollen. Ein Ziel ist eher wie ein Ort auf der Landkarte, der in einer bestimmten Richtung liegt. Wenn Ihr Wert Bildung ist, setzen Sie sich vielleicht das Ziel, Ihren Abschluss zu schaffen. Der Wert Bildung gibt die Richtung vor, das Ziel (Abschluss schaffen) gibt den Ort vor, an den Sie gelangen wollen. Umgekehrt hat jedes Ziel immer einen dahinterstehenden Wert.
Das Tückische an Zielen ist: Solang Sie das Ziel nicht erreicht haben, ist Ihr gegenwärtiger Zustand in irgendeiner Hinsicht nicht gut genug. Schließlich sind Sie noch nicht dort, wo Sie hinwollen. Wenn Sie das Ziel schließlich erreichen, haben Sie ein kurzes Glückserleben, aber schon im nächsten Moment kann Ihnen das Ziel keine Orientierung mehr für zukünftiges Handeln geben, da es ja bereits hinter Ihnen liegt: Die Arbeit ist abgegeben, das Projekt ist abgeschlossen, die Wohnung ist fertig und jetzt? Werte hingegen geben Ihnen immer Orientierung, solang Sie sich ihrer bewusst sind. Werte wie Bildung, Ehrlichkeit, Mut oder Empathie werden Sie niemals abschließend umgesetzt haben, weil sich immer neue Gelegenheiten ergeben werden, diese Werte in Ihrem Handeln zu verwirklichen.
Vielen Menschen liegt es nicht, abstrakt über Ihre eigenen Werte nachzudenken, weil Ihnen das Thema zu allgemein oder theoretisch ist. Das ist kein Beinbruch, weil Sie sich dem Thema Werte von zwei Seiten her nähern können: Entweder Sie gehen von allgemeinen Werten aus und schlagen dann eine Brücke zum Alltag. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass Ihnen Ehrlichkeit wichtig ist, können Sie überlegen, was Sie in den kommenden Tagen mit wem ansprechen könnten, um diesen Wert zu verwirklichen. Mit wem müssten Sie Tacheles reden, um ehrlicher zu sein? Oder Sie nähern sich Ihren Werten von der anderen Seite: Sie können sich Ihre Zielen ansehen, wenn Sie diese kennen, und dann überlegen, welcher Wert dahintersteht. Die Ziele, die Sie sich an den Tagen 7 und 14 gesteckt haben, sind ein guter Startpunkt.
Für die Arbeit mit Werten sind Defusion und Akzeptanz ebenfalls wichtig. Manchmal wird unsere Sicht auf unsere Werte von Gedanken darüber verzerrt, wer wir anderen zufolge sein sollten. Emotionale Akzeptanz dagegen kommt dann ins Spiel, wenn unser derzeitiges Leben nicht mit unseren Handlungen übereinstimmt. Wenn wir merken, dass vieles in unserem Leben nicht so ist, wie es sein sollte bzw. nicht war, wie es hätte sein sollen, kann das sehr schmerzhaft sein. Diesen Schmerz zu fühlen, ist der Preis dafür, unsere Werte zu erkennen.
Stellen Sie sich vor, Sie spielen Fußball. Es ist ein kühler Herbsttag, die Mannschaften stehen bereit und der Schiedsrichter pfeift an. Ihre Mannschaft spielt gute Pässe, erobert den Ball zurück, setzt einen schnellen Konter und erzielt den Führungstreffer. Aber die andere Mannschaft lässt nicht locker und schafft den Ausgleich.
Das Spiel geht hin und her: gute Spielzüge, erbitterte Zweikämpfe, immer wieder Torschüsse. Die Gegner dominieren die zweite Hälfte, doch Ihre Mannschaft gibt nicht auf. In der letzten Minute gelingt ein perfekter Schuss – das Siegtor! Am Ende zeigt die Anzeigetafel 2:1 für Ihre Mannschaft.
Jetzt stellen Sie sich vor, der Schiedsrichter käme gleich zu Beginn des Spiels auf Sie zu und würde Ihnen vorschlagen: „Ich kann den Endstand sofort festlegen. Ihr Team gewinnt 2:1. Kein Grund mehr zu spielen.“ Würden Sie das Angebot annehmen? Vermutlich nicht. Das ist der Unterschied zwischen Zielen und Werten. Der Sieg ist Ihr Ziel und vielleicht erreichen Sie ihn, vielleicht auch nicht. Aber das Entscheidende ist der Weg dorthin: die Pässe, die Zweikämpfe, das Zusammenspiel. Es geht darum, wie Sie das Spiel spielen. Das sind Ihre Werte (Stoddard & Afari, 2014).