keine Glaubenspflicht, keine Rituale, Erfahrung statt Dogma
kompatibel mit Religion, Atheismus und Wissenschaft
nicht primär Entspannung, sondern bewusster Kontakt mit Erleben
kein Streben nach nur angenehmen Zuständen, auch schwierige Erfahrungen relevant
Fokus: Alltag statt besondere Bewusstseinszustände
keine Passivität, mehr Akzeptanz innen, mehr Handlungsspielraum außen
Nicht nur beanspruchen alle möglichen Traditionen den Begriff „Meditation“ für sich, sondern unser Bild von Meditation ist außerdem verzerrt durch popkulturelle Bilder, durch Klischees und sogar durch Dekoartikel wie den ewig milde lächelnden Buddha im bürgerlichen Badezimmer. Deshalb will ich mir kurz die Zeit nehmen, mit einigen möglichen Missverständnissen aufzuräumen:
Um zu meditieren, muss man an nichts Bestimmtes glauben (vor allem an nichts Übernatürliches), man muss keine Gottheiten anbeten, man muss keinen neuen Namen annehmen und keinen Schwur auf irgendeinen Orden leisten. Der Anspruch im Pragmatic Dharma (und eigentlich auch im traditionellen Buddhismus) lautet, dass jede Aussage der Theorie durch eigene Erfahrung überprüfbar ist. Man kann also selbst nachschauen und muss nichts blind glauben. Da ist selbst grundsätzlich sehr skeptisch bin, was Behauptungen betrifft, die dem naturwissenschaftlichen Weltbild widersprechen, war mir dieser Punkt immer besonders wichtig.
Daraus folgt, dass Meditation weder im Widerspruch zu bestimmten religiösen Traditionen steht noch im Widerspruch zum Atheismus oder dem naturwissenschaftlichen Materialismus.
Meditation ist nicht primär eine Entspannungsmethode. Entspannung kann sich als Nebenprodukt einstellen, aber letztlich geht es um direkten und akzeptierenden Kontakt mit dem eigenen psychischen Erleben, ob es nun entspannt ist oder nicht. Heißt: Wenn ich beim Meditieren nicht entspannt bin, heißt das nicht automatisch, dass ich etwas falsch mache.
Bei Meditation geht es nicht darum, angenehme Gefühle zu haben. Hier gilt dasselbe wie bei der Entspannung: Im direkten Kontakt zur eigenen Psyche kommen alle möglichen Empfindungen zu Bewusstsein, nicht alle davon sind angenehm. Oft ist Meditation dann am gewinnbringendsten, wenn sie uns in Kontakt mit schwierigen Gefühlen bringt.
Es geht nicht primär darum, tiefe Zustände der inneren Versenkung anzustreben, auch wenn sich solche Zustände einstellen können. Es geht vielmehr darum, mit alltäglichen Erfahrungen (Stress, Langeweile, Schmerzen, Ruhe, Freude, Wahrnehmungen, Gedanken, Tagträumen, Wahrnehmungen etc.) anders umzugehen. Unified Mindfulness ist ein System für den Alltag.
Meditation macht uns nicht passiv und entrückt uns nicht von der Welt. Es geht um die bedingungslose Akzeptanz unseres inneren Erlebens, nicht darum, die äußeren Gegebenheiten der Welt tatenlos hinzunehmen. Im Gegenteil führt stärkere Akzeptanz unseres inneren Erlebens meistens dazu, dass wir mehr Energie und mentalen Freiraum haben, um durch unser Handeln die Welt nach unseren moralischen Werten zu verändern.