KVT analysiert psychische Probleme anhand von fünf miteinander verknüpften Faktoren: Situation, Gedanken, Gefühle, Verhalten und körperliche Reaktionen.
Fallbeispiel Lisa zeigt eine soziale Bewertungssituation (Vortrag im Seminar) als auslösende Situation.
Ihre Gedanken sind negativ verzerrt („Ich blamiere mich“, „Andere halten mich für unfähig“) und verstärken Angst und Scham.
Diese Gefühle führen zu Verhaltensweisen wie Vermeidung, leisen Sprechen und Grübeln sowie zu starken körperlichen Stressreaktionen.
Die Faktoren beeinflussen sich gegenseitig in Rückkopplungsschleifen und stabilisieren so das Problem (z. B. Vermeidung verstärkt soziale Unsicherheit).
Wie wir schon im letzten Kapitel gesehen haben, werden Probleme in der KVT (Kognitive Verhaltenstherapie) immer als Zusammenspiel von 5 Faktoren analysiert:
Situation (Umweltfaktoren, äußere Ereignisse)
Gedanken
Gefühle
Verhaltensweisen
körperliche Reaktionen
Zur Illustration habe ich mir folgende Fallvignette ausgedacht:
Lisa, 24 Jahre alt, studiert im Master und arbeitet nebenbei in einem Café. In Seminaren vermeidet sie es, sich zu melden, obwohl sie die Antworten oft kennt. Besonders belastend sind Situationen, in denen sie vor anderen sprechen muss. Als sie in einem Uni-Seminar spontan gebeten wird, ihre Gruppenarbeit kurz vorzustellen, spürt sie sofort starke Anspannung. Sie denkt, dass die anderen ihre Nervosität bemerken und sie für inkompetent halten könnten. Während ihres Vortrags spricht sie leise, vermeidet Blickkontakt und versucht, möglichst schnell fertig zu werden. Noch Stunden später grübelt sie darüber nach, ob sie sich „blamiert“ hat.
Wie könnten wir die Informationen den fünf Faktoren zuordnen?
Situation
Spontane Aufforderung, vor dem Seminar zu sprechen
Aufmerksamkeit vieler Kommiliton:innen
Leistungs- und Bewertungssituation an der Universität
Gedanken
„Alle merken, wie nervös ich bin.“
„Ich werde mich blamieren.“
„Die anderen halten mich für unfähig.“
„Ich darf keinen Fehler machen.“
Gefühle
Angst
Unsicherheit
Scham
Verhaltensweisen
Vermeidung von Wortmeldungen
leises Sprechen
Vermeidung von Blickkontakt
schnelles Beenden des Vortrags
körperliche Reaktionen
starke Anspannung
Herzklopfen
Zittern der Hände
Schwitzen
trockener Mund
beschleunigte Atmung
In dieser Auflistung sieht man schon, dass die Faktoren miteinander zusammenhängen. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Situation → Gedanken → Gefühle
Im Seminar angesprochen werden → „Ich blamiere mich bestimmt“ → Angst entsteht
Gedanken → körperliche Reaktionen
„Alle beobachten mich“ → Herzrasen und Schwitzen nehmen zu
Körperliche Reaktionen → Gedanken
Zittern bemerken → „Jetzt sehen alle, wie nervös ich bin.“
Gefühle → Verhalten
Starke Unsicherheit → Blickkontakt vermeiden und wenig sprechen
Verhalten → Situation
Häufiges Vermeiden sozialer Situationen → weniger positive Erfahrungen mit anderen Menschen, wodurch die soziale Angst bestehen bleibt
Wir sehen im weiteren Verlauf des Kurses noch genauer, wieso die unterschiedlichen Faktoren in dieser Weise zusammenhängen. Im nächsten Schritt besteht die Möglichkeit, diese 5 Faktoren auf ein eigenes Problem anzuwenden.