Unangenehme Gefühle und Gedanken zu akzeptieren, macht sie oft weniger unangenehm.
Daraus entsteht die Verlockung, Akzeptanz als Vermeidungsstrategie zu nutzen. Das funktioniert aber nicht.
Akzeptanz mit dem Ziel, ein unangenehmes Erlebnis loszuwerden, ist keine Akzeptanz.
Akzeptanz-Paradox: Gefühle verändern sich oft gerade dann, wenn man aufhört, sie verändern oder loswerden zu wollen.
Da Sie sich mittlerweile in der vierten Woche dieses Kurses befinden, haben Sie vielleicht die folgende Beobachtung gemacht: Wenn Sie eine unangenehme Empfindung haben, wird diese weniger unangenehm, wenn Sie sie akzeptieren. Dies lässt sich am Beispiel der Angst beobachten. Sobald Angst auftritt, regt sich unser mentaler Widerstand gegen dieses Gefühl. Sobald wir uns auf unsere ACT-Fähigkeiten besinnen und das Gefühl bereitwillig in unserem Körper spüren, wird die Angst plötzlich weniger unangenehm.
Vielleicht machen wir daraufhin Akzeptanz zu einer eigenen Kontrollstrategie: Sobald etwas Unangenehmes auftritt, versuchen wir krampfhaft, unsere Akzeptanz zu mobilisieren, um die unangenehme Empfindung zum Verschwinden zu bringen. Doch in dem Moment, wo wir Akzeptanz nutzen wollen, um etwas loszuwerden, ist uns die Haltung der Akzeptanz bereits abhandengekommen. Etwas loswerden wollen, bedeutet ja gerade nichts anderes als: es nicht akzeptieren.
Das Paradox der Akzeptanz lautet also: Sobald ich eine Empfindung oder ein Gefühl wirklich akzeptiere, verändert es sich häufig oder verschwindet. Am schnellsten verändert sich ein unliebsames Gefühl, wenn es mir vollkommen gleichgültig wäre, ob ich es bis in alle Ewigkeit spüren müsste. Wenn es mir egal ist, ob es weiterbesteht, verflüchtigt es sich. Sobald ich auf der anderen Seite versuche, eine Empfindung zu verändern oder zum Verschwinden zu bringen, wird sie unangenehmer und bleibt bei mir. Ich kann Akzeptanz nicht mit dem Hintergedanken anwenden, dadurch die Empfindung zu verändern. Ich werde erst dann vom unliebsamen Gefühl erlöst, wenn mir die Erlösung egal ist.
Stellen Sie sich vor, Sie würden jeden Tag eine riesige Menge an Spam-Mails von unterschiedlichen Absendern erhalten. Ihr Spam-Filter funktioniert nicht, deshalb müssen Sie Ihr Postfach mühsam nach den wenigen sinnvollen Mails durchsuchen. Angenommen, Sie könnten Ihr Postfach nicht wechseln, wie würden Sie am besten mit dem Spam umgehen? Sie hätten die Möglichkeit, jeden Absender einzeln anzuschreiben und ihn zu bitten, Ihnen keine weiteren Nachrichten zu schicken. Sie wissen aber gleichzeitig, dass Ihre Bitten wahrscheinlich auf taube Ohren stoßen. Was also tun?
Vielleicht wäre es das Beste, die Tatsache zu akzeptieren, dass gewisse Mails nutzloser Müll sind. Daran können Sie nichts ändern. Sie können sich aber auf die Mails zu konzentrieren, die für Sie relevant sind. Ihre Psyche wie ein Postfach ist, in das die ganze Zeit irgendwelche Mails (Gedanken), von denen ein Großteil nicht hilfreich ist. Statt sich gegen diese Gedanken zu wehren, sich über sie aufzuregen oder Gegenargumente zu finden, können Sie sich auf die sinnvollen Gedanken konzentrieren.