Die heutige Übung zielt darauf ab, die Tatsache, dass es keinen Bewusstseinskern gibt, um den sich alle übrigen psychischen Ereignisse drehen, direkt erfahrbar zu machen.
Setzen Sie sich wie gewohnt bequem hin.
Stellen Sie sich einen Timer auf 10 Minuten.
Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem an der Nase oder im Bauch. Bleiben Sie hier einige Atemzüge und beobachten Sie, wie der Atem ein- und ausströmt.
Wer beobachtet da? Wo sitzt der Beobachter? Versuchen Sie, Ihre Aufmerksamkeit auf diesen Beobachter zu richten.
Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nach einiger Zeit wieder auf den Atem und wiederholen Sie die Suche, bis der Timer klingelt.
Sie werden bemerken, dass Sie sich selbst als den Beobachter, der den Atem beobachtet, nie zu Gesicht bekommen, so intensiv Sie auch suchen. Wie viele Inhalte des Bewusstseins Sie auch durchgehen, nie ist ein Inhalt dabei, den Sie „den Beobachter“ nennen könnten. Sie selbst sind nicht unter den Inhalten des Bewusstseins.
Alles, was es gibt, sind die bewussten Erlebnisse selbst und der Kontext oder das Gewahrsein, in dem sie auftreten. Sie müssen sich auch nicht notwendigerweise auf den Atem konzentrieren, sondern können die Übung auch mit jedem anderen beliebigen Inhalt durchführen, etwa mit anderen Körperempfindungen, Gefühlen oder Gedanken.
Wenn Sie mit dieser Übung nicht viel anfangen können, machen Sie sich keine Sorgen. Ich präsentiere Ihnen hier zum Abschluss auch Inhalte, die etwas fortgeschrittener sein können und nicht für jeden unbedingt gewinnbringend sind. Spielen Sie ein bisschen mit der Technik herum, aber machen Sie sich dabei keinen Druck. Sollte Ihnen die Übung dagegen liegen, könnte die Dzogchen-Tradition für Sie interessant sein (Harding, 2014; Lang, 2020).
Sollten Sie diese Meditation weiter vertiefen wollen, stellt die App Waking Up von Sam Harris eine ausgezeichnete Ressource für Sie dar (S. Harris, 2024). Von diesem stammt auch das gleichnamige Buch, in dem auch theoretische Fragen wie die Vereinbarkeit meditativer Praktiken mit dem naturwissenschaftlichen Weltbild oder die Möglichkeit einer spirituellen Praxis unabhängig von religiösen Dogmen diskutiert werden (S. Harris, 2015).