Das hier ist eine kurze Darstellung der Persönlichkeitsstile nach Rainer Sachse, um Altbekanntes aufzufrischen und die wichtigsten Aspekte auf einen Blick zu erfassen.
Ein Persönlichkeitsstil ist eine charakteristische Kombination von allgemeinen Mustern im Denken, Fühlen und Handeln, die sich vor allem in sozialen Interaktionen zeigen. Diese Muster sind situationsübergreifend und treten häufig in Clustern auf.
Die wichtigsten Aspekte eines Persönlichkeitsstils lassen sich in sechs zentrale Bausteine unterteilen:
Motive: Dies sind grundlegende Werte und Ziele, die unser Handeln über viele Situationen hinweg bestimmen. Reiner Sachse unterscheidet hierbei sechs Hauptmotive: Anerkennung, Wichtigkeit, Verlässlichkeit, Solidarität, Autonomie und Grenzen/Territorialität.
Selbstschemata (Selbstannahmen): Hierbei handelt es sich um tief verankerte Glaubenssätze über die eigene Person (z. B. „Ich bin kompetent“ oder „Ich bin ein Versager“), die oft in der Kindheit entstehen.
Beziehungsschemata: Dies sind allgemeine Annahmen darüber, wie Beziehungen funktionieren und was man von anderen zu erwarten hat (z. B. „In Beziehungen wird man abgewertet“).
Verhaltensnormen: Dies sind Erwartungen an das eigene Verhalten, die oft als kompensatorische Strategien dienen, um die Aktivierung negativer Selbstschemata zu verhindern (z. B. „Sei immer perfekt“).
Regelschemata: Erwartungen und Regeln, die man an das Verhalten von Interaktionspartnern stellt, um das eigene Beziehungsschema nicht zu triggern.
Manipulative Strategien: Häufig unbewusste Verhaltensweisen (bestehend aus Images und Appellen), um bestimmte Ziele oder Reaktionen bei anderen zu erreichen, ohne diese offen auszusprechen.
Weitere wesentliche Merkmale:
Spektrum: Persönlichkeitsstile bewegen sich auf einem Spektrum. Jeder Mensch hat mindestens einen Stil; erst bei einer sehr extremen Ausprägung spricht man von einer Persönlichkeitsstörung.
Ich-Syntonie: Die Stile werden als im Einklang mit dem eigenen Ich stehend wahrgenommen. Man bemerkt oft nicht, dass man eine „Brille“ trägt, die die Wahrnehmung filtert, was dazu führt, dass Probleme häufig nach außen auf andere attribuiert werden.
Wahrnehmungsfilter: Schemata wirken als Filter, die Informationen, die dem eigenen Weltbild entsprechen, durchlassen und gegenteilige Evidenzen aussortieren.
Vor- und Nachteile: Jeder Stil hat Ressourcen und Kosten. Ein narzisstischer Stil kann beispielsweise zu hoher Leistungsbereitschaft führen, aber auch das Risiko für einen Burnout erhöhen.
Außerdem wichtig für die Therapie:
Symptome im Kontext des Stils: Vordergründige psychische Probleme, wie zum Beispiel eine Depression, sind oft in den Kontext eines Persönlichkeitsstils eingebunden und erfüllen dort eine bestimmte Funktion. So kann eine Depression als „depressive Dekompensation“ im Rahmen eines narzisstischen Stils besser verstanden und behandelt werden, wenn man den zugrunde liegenden Stil erkennt.
Die „doppelte Buchführung“: Menschen mit ausgeprägten Stilen erleben oft einen Widerspruch zwischen rationalem Wissen und gefühlter Wahrheit. Man weiß zwar rational, dass man kompetent ist, fühlt sich aber dennoch wie ein „Versager“, weil das entsprechende Schema automatisch aktiviert wird.
Rationalität des „Irrationalen“: Verhaltensweisen, die von außen betrachtet „irrational“ oder überreagiert wirken, sind aus der Binnenperspektive der betroffenen Person oft höchst logisch und angemessen, wenn man ihre zugrunde liegenden Schemata und Vorannahmen kennt.
Beziehungskredit aufbauen: In der Interaktion mit schwierigen Stilen ist es hilfreich, „Beziehungskredit“ zu sammeln. Dies geschieht, indem man die Motive des Gegenübers erkennt und „füttert“, also beispielsweise das Bedürfnis eines Narzissten nach Anerkennung authentisch bedient, um die Interaktion zu erleichtern.
Umgang mit Manipulation: Manipulation äußert sich oft erst durch ein diffuses Störgefühl beim Gegenüber. Ein effektiver Weg, damit umzugehen, ist die Metakommunikation: Man macht den impliziten Appell oder das erzeugte Image transparent, um sich diplomatisch abzugrenzen.