Wertegeleitetes Handeln sollte nicht primär an Ergebnissen oder Erfolg gemessen werden, sondern an der Frage, ob man alles in seiner Macht Stehende getan hat.
Da Ergebnisse oft von externen Faktoren abhängen, liegt „richtiges Handeln“ darin, nach bestem Wissen und Können im Sinne der Werte zu handeln.
Konsequente Orientierung an Werten verändert langfristig den Lebensverlauf: wiederholte wertegeleitete Entscheidungen führen zu stabilen positiven Entwicklungen über die Zeit hinweg.
Es besteht ein wichtiger Unterschied zwischen aktiver Praxis (Handeln im Sinne eigener Werte) und passiver Praxis (kontemplatives Wahrnehmen).
Zwischen beiden Faktoren muss eine Balance gefunden werden, um Überfokussierung auf Kontrolle und To-dos zu vermeiden.
Wenn ein großes Schiff im Hafen liegt und vertäut ist, ist es sicher, daran besteht kein Zweifel. Aber dafür werden große Schiffe nicht gebaut. – Clarissa Pinkola Estés
In diesem Kapitel würde ich gern ein paar Anmerkungen zum wertegeleiteten Handeln machen. Wenn wir auf unsere Woche zurückblicken und überlegen, wie zufrieden wir mit uns sind, schauen wir oft auf den Erfolg unserer Handlung. Hat die Handlung zum erhofften Ergebnis geführt oder nicht? Der Erfolg hängt aber oft von Dingen ab, die wir nicht in der Hand haben. Wenn Sie zum Beispiel einen Konflikt mit Ihrer Cousine ansprechen, weil Sie ehrlich sein wollen, haben Sie nicht in der Hand, wie sie darauf reagiert. Angenommen, sie rastet total aus und rauscht aus dem Zimmer. Haben Sie dann versagt? Und was ist, wenn sie erwachsen und konstruktiv reagiert? Ist das dann Ihr Verdienst?
Was ich vorschlage, ist, auf das zu gucken, was Sie beeinflussen können. Wenn Sie alles in Ihrer Macht Stehende getan haben, um bestmöglich zu handeln, können Sie dementsprechend zufrieden sein. Vielleicht müssen Sie die Sache beim nächsten Gespräch anders angehen, mag sein. Aber solang Sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, haben Sie alles richtig gemacht, was sie richtig machen konnten. Und mehr kann man nicht verlangen.
Dann lade ich Sie zu einem kleinen Gedankenexperiment ein. Werfen Sie noch einmal einen Blick auf den Choice Point und überlegen Sie: Wo wären Sie, wenn Sie bei diesem Problem wieder und wieder die rechte wertegeleitete Abzweigung nehmen würden? Wo stünden Sie, wenn Sie dies einen Monat lang konsequent täten? Wo stünden Sie in einem Jahr? Denken Sie an die unterschiedlichen Schwierigkeiten, Probleme und Konflikte, die Sie in Ihrem Leben haben. Wie würden diese sich verändern, wenn Sie sich wieder und wieder an Ihren Werten orientieren würden?
Im letzten Abschnitt möchte ich noch auf eine wichtige Unterscheidung zu sprechen kommen. Unser Leben hat zwei Seiten: eine aktive und eine passive. Wie Sie sich denken können, befinden Sie sich mit ACT auf der aktiven Seite: Sie geben sich Mühe, so gut zu handeln, wie sie können, und Ihren Werten dadurch gerecht zu werden. Auch die meisten Übungen sind aktiver Natur: Wenn Sie eine Reflexion machen, schreiben Sie aktiv, und auch wenn Sie Ihre Gedanken bildlich auf einem Blatt im Strom platzieren, tun Sie etwas.
Es ist jedoch sehr wichtig, diese aktive Seite durch eine rein beobachtende Praxis auszubalancieren, sodass sich beide Elemente die Waage halten. Wenn Sie merken, dass Ihre Gedanken rasen und sich nur noch um To Dos und das bestmögliche Handeln drehen, deutet dies darauf hin, dass Sie einen kontemplativen Ausgleich brauchen. Ich schreibe bewusst „deutet darauf hin“, da es auch sein könnte, dass es Ihnen eher hilft, Ihre Gedanken im Freien Schreiben (Tag 8) zu Papier zu bringen. Im Folgenden werde ich Ihnen also eine sehr simple Übung vorstellen, die zu den aktiven Übungen in diesem Kurs ein gutes kontemplatives Gegengewicht bilden kann.