Gefühle haben einen natürlichen Verlauf (Kommen, Bleiben, Gehen) und lassen sich nicht dauerhaft kontrollieren oder stoppen.
Akzeptanz bedeutet, Gefühle nicht zu verändern oder zu bekämpfen, sondern ihren natürlichen Verlauf bewusst zuzulassen.
Unterdrückung oder Manipulation von Gefühlen entsteht oft durch soziale Erwartungen oder den Wunsch, unangenehme Emotionen zu vermeiden. Problematisch wird es, wenn Kontrolle zum dauerhaften Programm wird.
Der Versuch, Gefühle zu kontrollieren, ist wie ein inneres Tauziehen, bei dem Sie nicht gewinnen können: Er kostet Energie und führt nicht zur erhofften Ruhe.
Akzeptanz (oder „Bereitschaft“) heißt, Gefühle bewusst zuzulassen und zu spüren, wodurch innerer Freiraum entsteht, um werteorientiert handeln zu können, auch wenn das Gefühl weiterhin da ist.
„Der einzige Weg hinaus führt hindurch.“ – Robert Frost
Eine grundlegende Tatsache unseres Gefühlslebens lautet: Gefühle haben ein Eigenleben. Das heißt, dass sie von sich aus in einem bestimmten Tempo kommen, eine Zeitlang bleiben und dann wieder verschwinden. Jedes Gefühl hat also einen natürlichen Verlauf von seinem Auftreten über seine Entfaltung bis zu seinem Verschwinden. Akzeptanz von Gefühlen bedeutet, diesen eigenen gesetzmäßigen Ablauf nicht zu stören. Man könnte auch sagen, es bedeutet, Gefühle sich selbst zu überlassen oder sich nicht in sie einzumischen.
Kleine Wiederholung: Akzeptanz heißt nicht, dass wir die äußere Ursache oder den Auslöser des Gefühls befürworten. Wenn ich meinen Beruf sinnlos finde, ist es im Sinne von ACT, dieses Gefühl von Sinnlosigkeit zunächst einmal so anzunehmen, wie es sich von sich aus zeigt, ohne es schönzureden, zu unterdrücken oder es mit einem anderen Gefühl zu überdecken. Die Akzeptanz dieses Sinnlosigkeitsgefühls bedeutet aber nicht, dass wir uns deshalb keine neue Stelle suchen sollten. Akzeptanz heißt gerade nicht, sich auf der Handlungsebene passiv seinen Umständen zu ergeben. Vielmehr schafft Akzeptanz von Gefühlen einen kleinen mentalen Freiraum, den wir im nächsten Moment nutzen können, um uns zu überlegen, wie wir unsere Umstände und unser Leben durch konkrete Handlungen zum Besseren wenden können.
Es gibt viele Gründe, wieso wir unsere Gefühle nicht akzeptieren. Einerseits gibt es soziale Regeln darüber, wann ein Gefühl akzeptabel ist und wann nicht. Wir haben zum Beispiel immer wieder gesagt und gezeigt bekommen, dass Wut nicht akzeptabel ist. Mit der Zeit haben wir dann einen Widerstand gegen unser Gefühl entwickelt. Wir können unsere Wut nicht mehr zulassen. Das Gleiche gilt auch für Traurigkeit. Wenn diese Gefühle zum unpassenden Zeitpunkt auftreten, unterdrücken wir sie, um für andere annehmbar zu sein. Umgekehrt ist in vielen Situationen ein Gefühl erwünscht, dass sich aber nicht von selbst einstellt. Vielleicht bin ich auf einer Beerdigung, fühle aber keine Trauer, obwohl dies von mir erwartet wird. Oder ich bin auf einer Party im Gespräch, fühle aber keine Freude. Deshalb imitieren wir die äußeren Anzeichen der Emotion, wir lächeln vielleicht und reden lebhafter, um den Erwartungen zu entsprechen. In der Psychologie nennt man das soziale Erwünschtheit. Es gibt aber noch andere Gründe, seine Gefühle zu manipulieren. Gewisse Gefühle sind einfach unangenehm oder schmerzhaft, sie sind vielleicht Ausdruck einer tiefen Kränkung und Verletzung, die wir uns in der Vergangenheit zugezogen haben. Oder aber eine Sache weckt unsere Ängste, frustriert uns oder langweilt uns.
In allen diesen Fällen gestehen wir dem Gefühl nicht den Raum zu, den es zu seiner freien Entfaltung bräuchte. Stattdessen unterdrücken wir es, bauschen es auf oder verkrampfen uns, um seinen Ablauf zu beschleunigen oder aufzuhalten. Wir schieben das Gefühl weg oder wir schieben es an.
Akzeptanz von Gefühlen ist eine echte Alternative zu unseren Bemühungen, unsere Gefühle nach unseren Vorstellungen zu verbiegen. Widerstand gegen Gefühle ist so, als würden wir uns in einem ständigen Tauziehen mit unseren unangenehmen inneren Erfahrungen befinden. Es kostet uns unglaublich viel Energie und egal, wie stark wir auch ziehen, wir können dieses Tauziehen nicht gewinnen. Kurzzeitig sieht es vielleicht so aus, als könnten wir echte und nachhaltige Kontrolle über unsere unangenehmen Gefühle ausüben, aber langfristig entgleitet uns das Ganze und wir fühlen uns auf uns selbst zurückgeworfen.
Emotionale Akzeptanz heißt, das Tau fallen zu lassen und die Gefühle sich selbst zu überlassen. Dadurch haben wir die Hände und den Kopf frei, um uns den Dingen zuzuwenden, die uns eigentlich wichtig sind. Der Preis, den wir für diese Freiheit zahlen, ist, dass wir unsere unangenehmen Gefühle auch tatsächlich fühlen. Akzeptanz wird in der ACT-Literatur oft auch als „Bereitschaft“ (engl. willingness) bezeichnet. Damit ist gemeint, dass Akzeptanz kein passives Hinnehmen darstellt, sondern einen aktiven inneren Prozess der Annäherung an das, was für uns in diesem Moment schwierig oder unangenehm ist. „Letting go means letting in.“, heißt es auch auf Englisch: Loslassen heißt reinlassen, also reinlassen in unser Bewusstsein, in unser momentanes Erleben oder auch in unseren Körper, in dem wir unsere Gefühle spüren. Wir können Gefühle wie einen Gast in unseren Körper hereinbitten, wie im folgenden Gedicht von Rumi:
Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.
Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt.
Selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll
vielleicht reinigt er Dich ja
für neue Wonnen.
Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung geschickt worden
aus einer anderen Welt.
- Rumi
Eine letzte Bemerkung noch: Wenn Sie sehr intensive Gefühle haben, zum Beispiel tiefe Trauer, dann kann es hilfreich sein, nicht sofort ins tiefe Ende des Pools zu springen, um sich nicht zu überfordern. Es ist vollkommen in Ordnung, sich dem Gefühl schrittweise zu nähern. Es ist, als säßen Sie an einem Lagerfeuer. Sie sitzen nah genug dran, um sich zu wärmen, aber nicht so nah, dass Sie sich verbrennen. Sie werden merken, dass es Ihnen bei diesen intensiven Gefühlen mit der Zeit immer besser gelingt, sie zu akzeptieren.