Empfindungen nach Sinnesmodalitäten ordnen: sehen, hören, fühlen; innen und außen
Gedanken als visuelle und akustische Phänomene einordenbar
Focus Range: Bereich, in dem ich auf Empfindungen achte
Focus Range frei wählbar eng oder weit, alles erlaubt
Wechsel der Focus Range möglich, aber nicht als Vermeidung nutzen!
Welche Meditationsobjekte haben wir zur Auswahl? Wenn wir unsere Empfindungen betrachten, fällt zunächst auf, dass sie in unterschiedlichen Sinnesmodalitäten vorliegen. Unsere Empfindungen gehören, mit anderen Worten, immer zu einem der fünf klassischen Sinne: sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen.
In der Unified Mindfulness werden wir allerdings drei dieser Sinne in denselben Topf und unterscheiden nur zwischen sehen, hören und fühlen (see, hear, feel). Gerüche und Geschmäcke kommen mit in die Fühlen-Kategorie. Sie spielen erfahrungsgemäß in der Meditation auch eine sehr untergeordnete Rolle, wenn man nicht gerade auf die eigene Mahlzeit oder den Duft einer Blüte meditiert.
Neben der Sinnesmodalität werden die Empfindungen auch in innere und äußere Empfindungen unterteilt. Äußere Empfindungen gehören zur Wahrnehmung, innere Empfindungen sind entweder vorgestellte Bilder und Klänge oder Emotionen.
Wichtig: Auch Gedanken bestehen (hauptsächlich)[1] aus visuellen und akustischen Empfindungen und lässt sich demnach in das obige Schema einfügen.
Bei der Wahl, auf welche Empfindungen ich mich konzentrieren will, kann ich mich an diesem Schema orientieren. Z. B. könnte ich mich für die nächsten 15 Minuten nur auf die Klänge meiner Umwelt konzentrieren (hören & außen). Oder ich kann mir innerhalb einer Kategorie noch eine kleinere Focus Range vornehmen und beispielsweise nur auf die Empfindungen meines Atems an der Nasenspitze achten oder auf die emotionalen Empfindungen in meinem Brustbereich.
Ich kann die Focus Range auch maximal ausweiten und alle Empfindungen mit einbeziehen. Dann ist es nur wichtig, sich nicht in Gedanken zu verlieren. Solang ich dies sicherstelle, kann ich meine Aufmerksamkeit erlauben, sich auf alles Mögliche zu richten und bemühe mich nur, mitzubekommen, welche Empfindung gerade im Fokus steht. Jede Focus Range ist erlaubt. Wie immer bei Unified Mindfulness gilt: Es gibt viele Optionen, aber eine reicht. Oft ist es so, dass man sich zu einer bestimmten Focus Range hingezogen fühlt und dann bietet es sich an, mit dieser zu arbeiten.
Es ist kein Problem, die Focus Range im Laufe der Meditationssitzung zu wechseln. Wenn ich mich eigentlich auf meine Hände konzentrieren wollte und mitten in der Sitzung starke Gefühle auftreten, spricht nichts dagegen, diese Gefühle zum Meditationsobjekt zu machen. Allgemein sollte man jedoch darauf achten, nicht zu schnell durchzuwechseln, weil der Wechsel der Focus Range so schnell zur Flucht vor unliebsamen Empfindungen werden kann.
Hier gibt es leider keine festen Regeln und Vorgaben, an denen man sich orientieren könnte. Es ist daher ratsam, manchmal dem Impuls zu widerstehen, die Focus Range zu ändern, und beim ursprünglichen Meditationsobjekt zu bleiben, um zu sehen, was passiert. Wenn das unangenehm ist, ist es immer spannend zu verstehen, was genau die gegenwärtige Empfindung unangenehm macht? Und kann ich mich so stark konzentrieren, dass sie aufhört, unangenehm zu sein? (Siehe „Und wie gehe ich mit unangenehmen Empfindungen um?“)
[1] Es ist eine interessante Frage, ob das Denken wirklich nur aus sinnlichen Empfindungen besteht oder ob es nicht noch denkspezifische Empfindungen neben den visuellen und akustischen Empfindungen gibt. Für den Anfang muss uns diese Frage nicht weiter interessieren und in der meditativen Praxis hängt nichts von ihr ab, aber es ist eine interessante Focus Range für die Meditation: Kann ich, wenn ich mich auf mein Denken konzentriere, Empfindungen aufspüren, die keiner Sinnesmodalität zugehören?