In dieser Übung geht es darum, erste Erfahrungen mit Defusion zu machen und Gedanken als das zu sehen, was sie sind: nicht der Weisheit letzter Schluss oder die absolute Wahrheit, sondern Ereignisse in unserem Geist, die teils wahr sind, teils aber auch schlicht verrückte Verzerrungen der Realität darstellen, in denen wir uns verlieren und dann unbesonnen handeln.
Setzen Sie sich in eine bequeme Position, in der Sie die nächsten 10 Minuten angenehm sitzen können. Sie können sich auch hinlegen, allerdings besteht hier die Gefahr, dass sich Ihr Geist so sehr beruhigt, dass sie einschlafen oder sich in einen schlafähnlichen Dämmerzustand begeben. Das ist nachteilig, weil Ihr Blick auf Ihre eigenen mentalen Ereignisse dann eingetrübt wird und Sie Ihre Gedanken, um die es im Folgenden gehen soll, nicht mehr präzise wahrnehmen. Wenn Sie müde sind, setzen Sie sich am besten in eine aufrechte Position, ohne sich anzulehnen.
Stellen Sie Ihren Timer auf 10 Minuten.
Schließen Sie die Augen oder, wenn Ihnen dabei schwindelig oder unwohl wird, fixieren Sie entspannt einen Punkt auf dem Boden.
Stellen Sie sich nun vor, Sie stünden auf einer Waldeslichtung. Die Sonne scheint, es ist ruhig, der Wind rauscht sanft in den belaubten Bäumen und vor Ihnen fließt ein Waldbach von Ihrer Linken zu Ihrer Rechten. Auf dem Bach treiben Blätter, die von den Bäumen herabgefallen sind.
Achten Sie darauf, welcher Gedanke Ihnen jetzt gerade in diesem Moment kommt.
Platzieren Sie diesen Gedanken visuell auf einem der vorbeischwimmenden Blätter. Wenn Sie an eine Person denken, platzieren Sie die Person auf dem Blatt. Wenn Sie ans Abendessen denken, platzieren Sie eine entsprechende Speise auf dem Blatt, zum Beispiel eine dampfende Suppenschüssel. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es geht auch weniger darum, das perfekte Bild zu finden, sondern darum, dass Sie bemerken, welche Gedanken Ihnen kommen und von diesen defusionieren, indem Sie diese verbildlichen.
Wenn Sie irgendwann bemerken, dass Sie bereits seit einiger Zeit mit einem bestimmten Gedanken fusioniert waren, machen Sie sich keine Sorgen oder Vorwürfe, das ist ganz normal. Überlegen Sie kurz, wie Sie diesen Gedanken visualisieren können und platzieren Sie ihn auf einem Blatt. Dann fahren Sie mit der Übung fort.
Machen Sie weiter, bis der Timer klingelt.
Vielleicht bemerken Sie, dass Ihnen so viele Gedanken kommen, dass Sie sie gar nicht alle vollständig auf den Blättern platzieren können. Machen Sie sich keinen Druck und nehmen Sie einfach jeden dritten oder vierten Gedanken. Nehmen Sie sich die Zeit, ihn sorgfältig auf einem Blatt zu platzieren und machen Sie weiter. Wenn Ihnen Gedanken über die Übung selbst kommen, beispielsweise Sorgen, dass Sie die Übung falsch machen könnten, Zweifel, ob die Übung bei Ihnen etwas bringen wird, oder Ähnliches, platzieren Sie diese ebenfalls auf den Blättern (Hayes et al., 1999).