Durch UM pragmatische Meditation statt blumige Metaphern
Fokus auf konkrete Techniken statt Glaubenssysteme
Meditation als Menge trainierbarer mentaler Fähigkeiten
Unified Mindfulness als flexibles System mit vielen Optionen
Kerntraining: Konzentration, sinnliche Klarheit, Gleichmut (=Akzeptanz)
Es gibt viele schön geschriebene Meditationsbücher voll von blumigen und inspirierenden Formulierungen und Gleichnissen, die einem die vage Hoffnung machen, dass das eigene Leiden irgendwie enden könnte und am Ende vielleicht doch alles einen höheren Sinn hat. Ich persönlich finde solche Bücher höchst unbefriedigend, weil sie wenige konkrete Handlungsanweisungen enthalten.
Im Gegensatz dazu steht die Tradition des „Pragmatic Dharma“. [1] Das ist eine moderne buddhistische Strömung, die von Ritualen und metaphysischen Glaubenssystemen weitestgehend absieht und sich auf eine eher technische Herangehensweise an Meditation konzentriert. Die Idee ist, dass durch bestimmte klar beschreibbare Techniken klar definierte Bewusstseinszustände herbeigeführt werden können, einfach weil die menschliche Psyche nach gewissen Gesetzmäßigkeiten funktioniert. Es geht darum, bestimmte Fähigkeiten durch konkrete Übungen zu trainieren. Statt blumiger Metaphern finden sich in den Büchern dieser Tradition eher systematische Anleitungen und Hinweise, was in welchen Situationen hilfreich sein kann.
In dieser Tradition steht Unified Mindfulness (UM) nach Shinzen Young. In seinem System erhebt Shinzen Young den Anspruch, jede mögliche Form von Meditation abbilden zu können (deshalb Unified Mindfulness). Neben klar definierten Begriffen bietet das System viele Optionen, zwischen denen man frei wählen kann. Trotz dieses im ersten Moment etwas unübersichtlichen Reichtums an Optionen besticht das System doch durch seine Einfachheit, weil immer die gleichen drei Fähigkeiten trainiert werden: Konzentration, sinnliche Klarheit und Gleichmut. Was es genau damit auf sich hat, erkläre ich weiter unten. Allgemein sollte man sich von den vielen Begriffen und Unterscheidungen nicht abschrecken lassen. Man muss nicht alle kennen, um mit diesem System zu meditieren, und man muss nicht jede Option perfektionieren. Es reicht, eine Möglichkeit zu finden, die für einen selbst persönlich gut passt.
Einen Überblick über die wesentlichen Elemente, deren Kenntnis für den Anfang völlig ausreicht, gebe ich im Abschnitt „Die Grundlagen auf einen Blick“.
[1] Die ursprünglichen Begriffe für Phänomene, die in der Meditation relevant sind, stammen meistens aus dem Pali oder dem Sanskrit – beides Sprachen, die ich nicht beherrsche. Shinzen hat diese Begriffe ins Englische übertragen und von dort habe ich sie (unter Berücksichtigung der Standardübersetzung) ins Deutsche übertragen. Trotzdem schreibe ich die englischen Begriffe immer dazu. Außerdem nutze ich in meinem eigenen Denken über Meditation sehr viele Anglizismen, für die ich mich jetzt schon entschuldige, z. B. „noten“ für „to note“ und „labeln“ für „to label“.