seltene ungewöhnliche Erfahrungen bei intensiver Meditation möglich
Kryas als harmlose körperliche Zuckungen oder Bewegungen
Halluzinationen und Kasinas als vorübergehende Wahrnehmungsphänomene
starke emotionale oder energetische Flow Zustände durch Gleichmut oder Fokus auf Ruhe begleiten
Reaktionen auf Erfahrungen oft wichtiger als die Erfahrungen selbst
Ausgleich durch Alltag, Sport und Austausch mit erfahrenen Meditierenden
In der Meditation kann es zu seltsamen Erfahrungen kommen. Das ist vor allem relevant, wenn man sehr viel meditiert, aber ich führe diese Erfahrungen hier dennoch der Vollständigkeit halber auf: Vorweg: Wer plant, viel Zeit in seine Meditation zu stecken, sollte sich auf jeden Fall über dieses Handout hinaus über solche Erfahrungen informieren.[1] Solche Erfahrungen sind selten und in der Regel kein Problem, wenn man sie einordnen kann. Zudem geht es in der Meditation ja unter anderem dadurch, in authentischen Kontakt mit der eigenen Psyche zu treten und diese dadurch zu transformieren. Das dies unangenehm sein kann, dürfe nicht per se überraschend sein. Dennoch gibt es eine Reihe von Erfahrungen, auf die ich noch einmal gesondert eingehen will:
Kryas: Das sind spontane körperliche Bewegungen oder Muskelzuckungen wie ein zuckendes Augenlid oder eine zuckende Schulter. Diese Bewegungen kommen abrupt oder bleiben eine Weile bestehen. Diese Bewegungen sind ungefährlich und kein Problem! Man kann sie behandeln wie jede andere Empfindung in der Meditation, indem man sich entweder auf sie konzentriert oder sie im Hintergrund belässt. Kryas gelten als Anzeichen, dass irgendetwas in der Psyche verarbeitet wird, insofern repräsentieren sie eigentlich etwas Wünschenswertes. Sie hören nach einiger Zeit wieder auf.
Halluzinationen: Solche Halluzinationen sind sehr selten und ebenfalls ungefährlich. Solche Empfindungen können wie alle anderen Empfindungen behandelt werden.
Kasinas: Bei starken Konzentrationszuständen können stabile visuelle Empfindungen entstehen, oftmals in Form eines Kreises in der Mitte des visuellen Feldes. Diese verschwinden wieder, wenn die Konzentration nachlässt. Es gibt allerdings sogar eine eigene Meditationstechnik, die sich ausschließlich auf die Erzeugung dieser Kasinas konzentriert, um sie dann zum Meditationsobjekt zu machen.
Starke Flow-Zustände: Es kann zu plötzlichen Ausbrüchen von Empfindungen kommen, zum Beispiel von starken Emotionen oder körperlicher Energie. Hier kann es hilfreich sein, sich auf die Empfindungen seiner Umgebung zu konzentrieren oder auf Ruhe-Zustände oder aber eine gleichmütige Einstellung zu den emotionalen Reaktionen auf diese Ausbrüche einzunehmen. Dies gilt übrigens allgemein: Oft sind nicht seltsamen Erfahrungen selbst das Problem, sondern unsere emotionalen Reaktionen und die Urteile, die unser Geist über diese Erfahrungen fällt. Das Gegenmittel für viele solcher Erfahrungen besteht also schlicht darin, sich auf unsere Reaktionen auf diese Erfahrungen zu konzentrieren.
Gute Möglichkeiten, solche Erfahrungen auszubalancieren, sind Sport oder alltägliche Aktivitäten wie Geschirrspülen oder sonstige Haushaltstätigkeiten. Es ist zudem nie eine schlechte Idee, Rückmeldung von Menschen einzuholen, die wesentlich länger meditieren als man selbst.
Wo erfahre ich mehr über Unified Mindfulness?
[1] Zum Beispiel auf dharmaoverground.org (Dharma Diagnostic Clinic, aka "What was that?"). Vor allem der Progress of Insight ist hier relevant, zum Beispiel nachzulesen in Daniel Ingrams „Mastering the Core Teachings of the Buddha“: mctb.org/mctb2/table-of-contents/part-iv-insight/30-the-progress-of-insight/ Wer viel meditiert oder auf Retreats gehen will, sollte zudem vorher online Kontakt zu jemandem herstellen, der sich mit Meditation auskennt, z. B. über die Community auf unifiedmindfulness.com, um im Fall der Fälle eine Ansprechperson parat zu haben. Im Zweifel kann man auch Daniel Ingram selbst anschreiben, der nimmt sich eigentlich immer Zeit für solche Anfragen.