Es besteht ein wichtiger Unterschied zwischen Problemorientierung / Lageorientierung (Klage, Grübeln, Ärger) und Lösungsorientierung / Handlungsorientierung (Handlungsfokus, Nutzung gegebener Möglichkeiten).
Problemorientierung entsteht oft aus dem Bedürfnis nach Verantwortungsverschiebung, emotionaler Entlastung (z. B. durch Wut) oder sozialer Bestätigung.
Sie kann kurzfristig psychologisch entlasten, blockiert aber häufig effektives Handeln und verstärkt negative Emotionen wie Angst oder Ärger.
Lösungsorientierung bedeutet, das Unkontrollierbare zu akzeptieren und die eigene Energie auf das Kontrollierbare zu verwenden.
Nicht die Last bringt dich zu Fall, sondern die Art, wie du sie trägst. – Lena Horne
Stellen Sie sich vor, Sie spielen ein Kartenspiel, vielleicht Skat, Doppelkopf oder Uno. Zu Beginn einer Runde bekommen Sie eine bestimmte Hand ausgeteilt. Vielleicht haben Sie Pech und haben keinerlei Trümpfe oder Aktionskarten. Rhetorische Frage: Wodurch erhöhen Sie Ihre Gewinnchancen am ehesten? Indem Sie sich über Ihr schlechtes Blatt ärgern oder indem Sie sich darauf konzentrieren, wie Sie aus Ihrem Blatt das beste Spiel herausholen?
Die Antwort auf diese Frage scheint uns offensichtlich. Natürlich ist es besser, das zu akzeptieren, was man nicht ändern kann (das Blatt) und sich auf das zu konzentrieren, was man kontrollieren kann (die möglichen Spielzüge). In der Psychologie spricht man in diesem Fall von Handlungs- oder Lösungsorientierung. Jemand, der nur über seine schlechte Lage und sein Pech klagt, befindet sich dagegen in einer Lage- oder Problemorientierung.
Obwohl wir eigentlich alle wissen, dass uns die Lösungsorientierung weiter bringt als die Problemorientierung, bleiben wir alle manchmal im Problemmodus: Wir klagen über andere, beschweren uns über unser Schicksal und regen uns auf. Dies tun wir teils laut vor anderen, teils in gedanklicher Fusion. Welche Funktion hat die Problemorientierung? Was hält uns in diesem Modus, auch wenn wir wissen, dass er uns nicht weiterbringt?
Meine Vermutung ist, dass wir zum einen die Verantwortung für unsere Lage an Andere oder an das Schicksal abwälzen. Das Amt hat Schuld, meine Eltern haben Schuld, mein Freund hat Schuld, nur ich nicht. Auch hier ist es außerdem so, dass wir durch die Lageorientierung oft Wut erzeugen, die andere unangenehme Gefühle (vor allem Unsicherheit) aus unserem Bewusstsein verdrängt und uns emotional stabilisiert. Indem wir uns aufregen, senden wir zudem an unsere Mitmenschen den non-verbalen Appell, solidarisch mit uns zu sein: „Gib mir recht, dass ich ungerecht behandelt worden bin!“
Zum anderen ist die Problemorientierung manchmal auch notwendig, um das Problem komplett zu verstehen, bevor wir zu einer lösungsorientierten Handlung übergehen. Hier gibt es aber einen wichtigen Unterschied zwischen dem Klage-Modus und einer konstruktiven Analyse.
Der Nachteil der Problemorientierung ist, dass wir oft zu viel unserer Energie, Zeit und Aufmerksamkeit an Dinge verschwenden, die wir nicht in der Hand haben. Wir verursachen uns selbst emotionale Kosten, indem wir uns erst aufregen und dann unter unserem Ärger leiden, wenn er zu lang anhält. Vielleicht machen wir uns auch Sorgen über die Dinge, die passieren könnten, ohne dass wir sie verhindern können. Dadurch steigern wir uns in unsere Ängste hinein. Der Nachteil ist auch, dass wir nicht in die Handlung kommen. Wir stecken in der Problemorientierung fest und kommen nicht vom Fleck.
Wenn Sie also bemerken, dass Sie sich übermäßig viele Sorgen machen, dass Sie sich aufregen, wie andere Menschen sich nur so und so verhalten können, dass Sie sich ungerecht behandelt oder übervorteilt fühlen, fragen Sie sich: Rege ich mich gerade über mein Blatt auf? Oder Überlege ich gerade, wie ich das Beste aus der Situation machen kann?
Übung: Defusion durch Entfremdung (Singen und Cartoon-Stimmen)