Urge Surfing beschreibt die Fähigkeit, Handlungsdränge (Cravings) bewusst auszuhalten, ohne ihnen automatisch nachzugeben, insbesondere an Choice Points.
Der Drang entsteht typischerweise als Reaktion auf äußere oder innere Auslöser und wird durch Gedanken, Erinnerungen oder Situationen aktiviert.
Er verläuft dynamisch in Phasen: Auslösung → Anstieg → Höhepunkt → Abklingen.
Oft stellt sich der Eindruck ein, der Höhepunkt dauert ewig. Das ist aber eine Illusion. Jedes Craving vergeht.
Durch das „Surfen“ dieser Wellen wird die Fähigkeit gestärkt, wertegeleitet zu handeln, ohne impulsive Vermeidungs- oder Konsumreaktionen auszuführen.
Du kannst die Wellen nicht aufhalten, aber du kannst lernen, auf ihnen zu surfen. – Joseph Goldstein
Den Handlungsdrang surfen (engl. urge surfing) ist eine Technik, um Handlungsimpulsen zu widerstehen, also dem Drang zu widerstehen, etwas zu tun, was unseren Werten widerspricht (Lloyd, 2003). Dieser Drang zeigt sich an jedem Choice Point mehr oder weniger stark. Bei Substanzabhängigkeiten oder sonstigem Suchtverhalten wird dieser Drang oder Handlungsimpuls auch als „Craving“ bezeichnet (Sayette, 2016). Dieser Drang äußert sich in unserem Erleben als ein starker Sog, der uns zur Handlung hinzieht oder als eine starke innere Spannung, die sich durch die Handlung auflösen will. Wenn wir uns an einem Choice Point für unsere Werte entscheiden, müssen wir diesen Drang aushalten, ohne ihm nachzugeben. Das gehört du den kurzfristigen Kosten, die wir zahlen müssen.
Die Technik kann uns dabei helfen, diesen Drang auszuhalten. Wie der Name bereits sagt, zielt die Übung darauf ab, den Drang wie eine Welle zu surfen. Dazu ist es hilfreich, den Drang zeitlich in vier Phasen zu unterteilen:
Auslöser: Der Drang entsteht immer als Reaktion auf ein äußeres oder psychisches Ereignis. Dies können bestimmte Personen, Orte oder der Anblick unseres Suchtmittels sein. Aber auch Erinnerungen oder ein Gedanke, mit dem wir fusioniert sind, können als Auslöser fungieren.
Anstieg: Der Drang baut sich auf, was langsam, aber auch plötzlich passieren kann.
Höhepunkt: Die Intensität des Drangs ist auf dem Gipfel. Oft fühlt es sich an, als würde er nie wieder abklingen.
Abfall: Der Drang baut sich langsam wieder ab. Dies muss keine beständige Abwärtsbewegung sein. Es ist auch möglich, dass der Drang sich in immer kleineren wiederkehrenden Wellenbewegungen abbaut, bevor er schließlich vollständig abebbt.