drei Kernfähigkeiten: Konzentration, sinnliche Klarheit, Gleichmut
Achtsamkeit = Zusammenspiel dieser Fähigkeiten
Ziel: Gegenwart bewusster wahrnehmen und akzeptieren
schwierige Erfahrungen in kleinere Einheiten zerlegen und besser handhabbar machen (Teile und Herrsche)
mehr Stabilität bei unangenehmen Impulsen und intensiven Gefühlen
intensiveres Erleben positiver Erfahrungen
mögliche Einsichten in Selbst und Geist, aber Fokus hier: Alltag
Bei Meditation geht es darum, drei konkrete Fähigkeiten zu kultivieren: Konzentration, sinnliche Klarheit und Gleichmut. Wenn diese drei Fähigkeiten zusammenarbeiten, spricht Shinzen Young von Achtsamkeit (mindfulness). Je stärker diese Fähigkeiten ausgeprägt sind, desto besser gelingt es uns, den gegenwärtigen Moment so zu erleben und zu akzeptieren, wie er ist. Dies wiederum führt dazu, dass schwierige Erfahrungen leichter hinzunehmen sind. Das Prinzip, was hier zum Tragen kommt, nennt Shinzen Young scherzhaft „Teile und Herrsche“ (divide an conquer).
Durch die drei genannten meditativen Fähigkeiten werden wir in die Lage versetzt, Empfindungen in ihre Einzelteile zu zerlegen. Bei diesen Einzelteilen handelt es sich selbst wieder um Empfindungen, die sich aber viel leichter aushalten und akzeptieren lassen als die ursprüngliche Empfindung. Dadurch kann ich lernen, unangenehme Empfindungen wie intensive Gefühle oder starke Handlungsimpulse Stück für Stück in ihre Einzelteile zu zerlegen und so zu akzeptieren, ohne mich zu schädlichen Handlungen hinreißen zu lassen. Auf dieses Prinzip gehe ich später noch detailliert ein.
Allerdings ist Meditation nicht nur ein Mittel, mit unangenehmen Erfahrungen besser umgehen zu können, sondern auch schöne Erfahrungen können durch diese Fähigkeiten noch intensiver erlebt werden. Mit genug Übung können wir durch Meditation außerdem Einsichten in die Natur unseres Selbst erlangen oder in das Verhältnis von Geist und Welt. Als Alltagspsychologe geht es mir jedoch hauptsächlich darum, wie Meditation unser Erleben im Alltag verändern kann, daher befasse ich mich mit diesen „tieferen Fragen“ hier nicht weiter.[1]
[1] Es gibt jedoch drei klassische Einsichten, die ich durch Meditation erlangen kann und auf immer tiefere Weise verinnerlichen kann, nämlich Vergänglichkeit (Anicca), Unzufriedenheit (Dukkha) und Nicht-Selbst (Anatta). Wen interessiert, was es damit genau auf sich hat, den verweise ich für eine vollständige Darstellung auf das Kapitel zu den drei Charakteristika in „Mastering the Core Teachings of the Buddha“ von Daniel Ingram: mctb.org