spielerische Neugier statt verbissener Haltung
Empfindungen als interessante Beobachtungsobjekte, seltener Käfer
mehr sinnliche Klarheit offenbart viele kleine Details in jeder Erfahrung
schwierige Empfindungen als Herausforderung nutzen
Konzentration macht Schmerz und Langeweile neutral / interessant
Feedback über eigenen Fokus durch unangenehme Empfindungen
auch Widerstand und Pflichtgefühl selbst zum Meditationsobjekt machen
In der Meditation ist es sehr hilfreich, eine spielerische Haltung einzunehmen. Unsere alltägliche Erfahrung, unsere ganz gewöhnlichen Körperempfindungen oder Wahrnehmungen sind extrem interessante Anschauungsobjekte, wenn wir uns nur auf sie einzulassen wissen. Wir können sie mit dem Forschergeist einer Biologin betrachten, die einen seltenen Käfer in Augenschein nimmt. Wenn wir mehr sinnliche Klarheit entwickeln, zerfällt eine Empfindung in unzählige kleinere Empfindungen, sobald wir näher hinsehen.
Es ist eine echte Herausforderung, diese schnelllebige Flut an Empfindungen in dem Tempo zu bemerken, in dem sie sich zeigt. Das ist genau der richtige Kontext, um spielerischen Ehrgeiz zu entwickeln! (Catch them all!) In gewisser Weise könnte man sagen, dass man in der Meditation auf seinen Empfindungen surft: Man muss sich konzentrieren, um nicht vom Board zu fallen und sich in irgendwelchen Ablenkungen zu verlieren.
Wenn ich in der formalen Meditation einen Schmerz oder Juckreiz empfinde, fasse ich diese Empfindung mittlerweile als Herausforderung auf: Wenn ich mich stark genug konzentriere und die Empfindung schnell genug zerlege, verliert sie ihren unangenehmen Charakter. Wenn meine Konzentration aber nachlässt, wird die Empfindung wieder unangenehm. So habe ich ein Feedback, an dem ich ablesen kann, wie stark meine Konzentration in diesem Moment ist.
Die Herausforderung besteht dann darin, sich stark genug zu konzentrieren, um die Empfindung unschädlich zu machen. Dasselbe gilt übrigens auch für Langeweile! Langeweile ist eine Empfindung, die sich früher oder später in der Meditation einstellt, aber auch hier kann man den Fokus verschieben und sich auf die Langeweile konzentrieren. Wie beim Schmerz und beim Juckreiz hört die Langeweile auf, unangenehm zu sein, wenn man sich stark genug auf sie konzentriert. Sobald ich den Fokus in dieser Weise verschiebe, bin ich wieder im Game.
Meditation muss keine saure Pflichtaufgabe sein, die man regelmäßig ableistet, weil man im Abstrakten eingesehen hat, dass es irgendwie gut für einen sein soll wie Schwarzbrot oder Mozart. Sollte sich diese verbissene Haltung zur eigenen Meditationspraxis einstellen, kann ich diese Haltung selbst wieder zum Meditationsobjekt machen, wie im vorangegangenen Abschnitt erläutert. Eine verbissene Haltung ist ein Bündel sinnlicher Empfindungen!
Eine Verspannung im Kiefer, in den Schultern und in der Stirn, eine Reihe von Gedanken, was ich angeblich zu tun und zu lassen habe, Ärger in der Brust und so weiter. All diese Phänomene kann ich mit derselben Technik zerlegen wie alles andere.