Die Anleitung zur Übung ist denkbar simpel:
Setzen Sie sich wie gewohnt in einer bequemen Position hin.
Stellen Sie sich einen Timer auf 10 Minuten.
Schließen Sie die Augen und tun sie nichts. Greifen Sie nicht in den Ablauf Ihrer geistigen Ereignisse ein. Wenn Sie merken, dass Sie sich gegen eine Empfindung wehren, lassen Sie den Widerstand zu. Wenn Ihnen auffällt, dass Sie verspannt sind, bleiben Sie verspannt. Wenn Sie fusionieren, bleiben Sie fusioniert. Intervenieren sie nicht, mischen Sie sich nicht ein. Wenn Sie merken, dass sich Ihre Psyche spontan einmischt und versucht, bestimmte andere psychische Ereignisse zu kontrollieren, unterbinden Sie es nicht. Lassen Sie von jedem Kontrollversuch ab, auch davon, die spontanen Kontrollversuche Ihrer Psyche zu kontrollieren.
Fahren Sie fort, bis der Timer klingelt.
Bevor Sie weiterlesen, probieren Sie die Übung einmal aus. Dann können Sie Ihre eigenen Beobachtungen mit dem vergleichen, was typischerweise während der Übung passiert.
Es mag für Sie überraschend sein, dass Nichtstun hier als eigene Übung vorgestellt wird. Tun wir das nicht ohnehin die ganze Zeit, wenn wir uns nicht auf eine bestimmte Handlung konzentrieren? Dem würde ich widersprechen. In Momenten von geistigem Leerlauf sind wir oft kaum merklich immer wieder mit kleinen Kontrollversuchen beschäftigt. Wenn Sie Nichtstun praktizieren, machen Sie dagegen vermutlich folgende Beobachtungen:
Wenn Sie die Augen schließen, treten Ihre körperlichen Empfindungen, Gefühle und Anspannungen in den Vordergrund.
Sobald Sie in den Vordergrund treten, bemerken Sie vielleicht Widerstand, sie in dieser Intensität zu spüren. Diese Intensität zu spüren, ist nötig, damit sich die Empfindung setzen oder auflösen kann. Dies passiert jedoch von selbst, ohne dass Sie eingreifen müssten.
Wenn Sie nicht eingreifen, verändern sich diese Empfindungen und Ihr Geist beruhigt sich ganz langsam Schritt für Schritt von selbst.
Früher oder später werden Sie mit einem Gedanken fusionieren. In dieser Übung ist dies kein Problem. Lassen Sie den gedanklichen Film ablaufen, bis ihre Psyche von selbst defusioniert.
Sobald Sie defusioniert sind, bemerken Sie neue Empfindungen und Gefühle, die durch den Gedanken aufgewirbelt wurden. Lassen Sie auch hier Ihrem inneren Erleben freien Lauf.
Mit der Zeit setzten sich ihre Empfindungen wie die Partikel in einem aufgewirbelten Wasserglas. Je mehr sich die Empfindungen setzen, desto mehr neues Material kommt zum Vorschein. Das passiert von selbst. Wenn Sie aktiv eingreifen, ist es, als würden Sie den Wasserstrudel im Glas wieder in Bewegung setzen und alle Partikel wieder durcheinanderwirbeln.
Achten Sie darauf, dass Ihre Psyche nicht so weit runterfährt, dass Sie einschlafen. Sich im Übergangsbereich von Wachbewusstsein und Schlaf aufzuhalten, kann auch eine interessante Erfahrung sein. Trotzdem würde ich Ihnen fürs Erste empfehlen, sich eine aufrechtere Sitzposition zu suchen, um wach zu bleiben und mitzubekommen, was sich in Ihrem Geist abspielt.
Wenn Sie länger Nichtstun praktizieren, werden Sie merken, dass die Übung irgendwann an Schwung verliert. Es passieren weniger interessante Dinge, Sie fusionieren häufiger und bleiben länger fusioniert, es kommen keine interessanten Empfindungen mehr zum Vorschein. Das ist ganz natürlich. Wenn Sie dies beobachten, liegt es meiner Erfahrung nach daran, dass Sie weniger Zeit mit aktiven Übungen verbracht haben.
Es ist wie ein Konto, auf das Sie einzahlen, indem Sie aktiv sind. Nichtstun funktioniert so lang gut, wie Sie Guthaben von diesem Konto abbuchen können. Wenn der Kontostand auf Null steht, ist es Zeit, wieder aktiv zu werden. So halten sich beide Aspekte, der aktive und der passive, die Waage.