Das Hexaflex ist das zentrale Modell von ACT und beschreibt sechs miteinander verbundene Fähigkeiten, die gemeinsam psychische Flexibilität fördern.
Die sechs Kernprozesse sind: Defusion, Akzeptanz, Werte, wertegeleitetes Handeln, Achtsamkeit und Selbst-als-Kontext.
Diese Fähigkeiten beeinflussen und verstärken sich gegenseitig: Fortschritte in einem Bereich unterstützen Fortschritte in den anderen.
Ziel von ACT ist psychische Flexibilität, also die Fähigkeit, nicht automatisch auf Reize zu reagieren, sondern bewusst nach eigenen Werten zu handeln.
Das Hexaflex kann praktisch als Orientierung und „Fehleranalyse“ dienen: Schwierigkeiten entstehen oft dadurch, dass einzelne Fähigkeiten vernachlässigt werden.
Streng genommen besteht der ganze heutige Tag nur aus theoretischem Hintergrund. Es geht um das zentrale Modell von ACT, das sogenannte Hexaflex. Das Hexaflex ist ein Diagramm, in dem alle sechs Faktoren von ACT in einem Sechseck angeordnet dargestellt werden. Es dürfte Ihnen vom Titelblatt des Kursbuches bekannt sein.
Die Querverbindungen, die jeder Faktor mit allen anderen Faktoren hat, sollen anzeigen, dass sich alle Faktoren gegenseitig stützen. Je besser Sie zum Beispieldefusionieren können, desto besser sind Sie in der Lage, Ihre tatsächlichen Werte zu erkennen. Je besser Sie Ihre Werte kennen, desto motivierter sind Sie, zu defusionieren, um wertegeleitet zu handeln und so weiter. Die sechs Faktoren lauten:
Defusion: Die Fähigkeit, Gedanken als Gedanken zu erkennen und sich nicht in ihrem Inhalt zu verlieren.
Akzeptanz: Die Fähigkeit oder Bereitschaft, Ihre Gefühle und Empfindungen so zu spüren, wie sie sich von sich aus entfalten, ohne sie verändern, unterdrücken oder beschleunigen zu wollen.
Werte: Die Fähigkeit, zu erkennen, was Ihnen wichtig ist und wie es sich auf den Choice Point bezieht, an dem Sie jetzt gerade sind.
Wertegeleitetes Handeln: Die Fähigkeit, auf die Erkenntnis Ihrer Werte Taten folgen zu lassen, die sich an diesen Werten orientieren.
Achtsamkeit: Die Fähigkeit, wahrzunehmen, was sich jetzt in diesem Moment in Ihrer Psyche ereignet.
Selbst-als-Kontext: Die Fähigkeit, sich mit dem Kontext zu identifizieren, in dem sich Ihre psychischen Zustände ereignen, anstatt mit einem der Zustände selbst. (Dieser Faktor wird erst an Tag 29 vorgestellt und spielt in diesem Kurs eine untergeordnete Rolle.)
Diese sechs Faktoren oder Fähigkeiten ergeben gemeinsam eine übergeordnete Fähigkeit, die als kognitive Flexibilität bezeichnet wird (Hayes, 2019). Wenn Sie keine kognitive Flexibilität haben, reagieren Sie immer gleich auf bestimmte Situationen. Die Situation bestimmt, wie Sie handeln. Wenn Sie beleidigt werden, rasten Sie aus. Wenn Ihre Grenze überschritten wird, werden Sie kleinlaut. Wenn Sie Alkohol haben, trinken Sie ihn. Ohne kognitive Flexibilität sind Ihre Handlungen beherrscht durch starre Reiz-Reaktions-Muster. Auf einen bestimmten Reiz folgt starr dieselbe Reaktion.
Wenn Sie dagegen kognitive Flexibilität haben, können Sie sich an Situationen flexibel anpassen. Sie haben Handlungsspielraum. Sie werden nicht von der Situation beherrscht, sondern von Ihren Werten geleitet. Das, was Ihr Handeln bestimmt, kommt nicht von außen, sondern von innen, von Ihren tiefsten Überzeugungen darüber, was Ihnen wichtig ist.
Natürlich müssen Sie diese sechs Faktoren nicht auswendig lernen, um durch ACT Ihr Leben zu verändern, aber das Hexaflex kann als eine Art Spickzettel dienen, durch den Sie auf einem Blick sehen, welche Fähigkeiten Sie bislang erworben haben. Wenn Sie außerdem bemerken, dass Sie bei einer bestimmten Situation immer wieder Schwierigkeiten haben, können Sie anhand des Hexaflex eine Fehleranalyse durchführen.
Oft liegen solche Schwierigkeiten daran, dass Sie bestimmte Faktoren vernachlässigen, sich beispielsweise noch nicht ausreichend Gedanken über die relevanten Werte gemacht haben oder sich zu stark auf die Akzeptanz konzentrieren. Wenn Sie bei einer Fähigkeit nicht weiterkommen, kann es hilfreich sein, sich auf eine andere Fähigkeit zu konzentrieren und hier weiterzumachen.