Der Verstand erzeugt kontinuierlich Handlungsimpulse zur Vermeidung unangenehmer innerer Zustände, die oft plausibel und hilfreich wirken.
Diese Impulse führen häufig zu subtilen Vermeidungsstrategien (z. B. Verhaltensanpassungen zur Reduktion von Unsicherheit oder Scham), die kurzfristig entlasten sollen.
Die konsequente Befolgung solcher Impulse führt zu einer wachsenden „psychischen Bürokratie“ aus Regeln, Kontrolle und Selbststeuerung, die kognitive Ressourcen bindet.
Diese inneren Kontrollsysteme sind meist ineffizient. Das zeigt sich in der Selbstbeobachtung.
Defusion hilft in diesem Wust von Regeln, um unnötige mentale Verwaltungsprozesse zu reduzieren und mehr Handlungsfreiheit zu gewinnen.
Sie wissen mittlerweile, dass Ihr Verstand Ihnen die ganze Zeit bestimmte Handlungsimpulse zuspielt, die eigentlich nicht in Ihrem Sinne sind. Darunter sind diverse Vorschläge gibt, wie Sie unangenehme Empfindungen am besten vermeiden können. „Vielleicht muss ich nur aufrechter gehen und wirke dann selbstbewusst.“ „Schnell, stell ihr eine Frage, dann hat sie das Gefühl, du hörst interessiert zu und das Gespräch kommt wieder in Gang.“ „Wenn ich lauter über seinen Witz lache, merkt er vielleicht nicht, dass ich unsicher bin.“
Immer gibt es eine unangenehme Empfindung und dann einen gut gemeinten Lösungsvorschlag, wie wir die Empfindung wieder loswerden, also vermeiden können. Sie wissen mittlerweile auch, dass diese Vermeidungsstrategien weniger gut funktionieren, als wir zunächst angenommen haben.
Indem wir die eifrigen Ratschläge unseres Verstandes befolgen, entsteht mit der Zeit eine riesige psychische Bürokratie von selbstauferlegten Regeln und Anweisungen, die unser Leben unnötig verkompliziert. Und wie in jeder auswuchernden Bürokratie versickern auch hier wertvolle Ressourcen, die wir eigentlich für andere Dinge gebrauchen könnten.
Wenn Sie besser darin werden, sich im Alltag zu beobachten, werden Sie merken, wie manche Empfindungen einen riesigen psychischen Verwaltungsakt in Gang setzen. Das Nichtstun von gestern ist ebenfalls eine gute Gelegenheit, Ihrer Psyche beim müßigen Verwalten Ihrer Erfahrungen zuzusehen. Sobald Sie dies merken, haben Sie schon den ersten Schritt getan, um Ihre psychische Bürokratie zu verkleinern und auf ein angemessenes Maß zu stutzen.