Beim Erlernen von ACT-Techniken ist es normal und notwendig, dass auch Gedanken über die Technik selbst entstehen.
Problematisch wird es erst, wenn wir diese Gedanken bewerten oder uns für „Fehler“ wie Fusion selbst kritisieren, wodurch neue Grübelschleifen entstehen.
Selbstabwertende oder kritische Gedanken sind unvermeidbar und kein Zeichen mangelnden Fortschritts. Sie sind einfach mentale Ereignisse.
Echte Selbstakzeptanz bedeutet, auch den inneren Kritiker wahrzunehmen und nicht zu bekämpfen, sondern zu defusionieren und Abstand zu ihm zu gewinnen.
Entscheidend ist nicht, „perfekt“ zu sein, sondern wiederholt aus Fusion auszusteigen und freundlich mit allen eigenen Gedanken umzugehen.
Wenn wir eine neue Technik erlernen und im Alltag anwenden, bleibt es nicht aus, dass uns sehr viele Gedanken über die Technik selbst kommen. Dies ist vollkommen in Ordnung, es ist sogar notwendig. Wenn Ihnen im Alltag zum Beispiel nie ein Gedanke an den Choice Point käme, dann würden Sie wortwörtlich nie daran denken, ihn anzuwenden. Auch während der Übungen sind wir gedanklich immer teilweise mit der Übung beschäftigt. Wir führen Sie nicht nur aus, wir denken auch an sie.
Das ist an sich nichts Schlechtes. Es kann aber ein Problem werden, wenn diese Gedanken ausarten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn wir perfektionistisch an die Übung herangehen und uns, sobald wir aus einer Fusion erwachen, für die Fusion verurteilen. Wenn wir uns selbst für die Fusion verurteilen, fusionieren wir aber mit einem neuen Gedanken, nämlich mit der Verurteilung. Das kann Anlass zu wieder neuen Selbstabwertungen und neuen Fusionen geben und so weiter.
Der Ausweg ist, weiter zu defusionieren und die selbstabwertenden Gedanken mit der gleichen Akzeptanz hinzunehmen wie alles andere, was unsere Psyche ungefragt produziert. Viele Menschen glauben, ein gesunder Selbstwert heißt, dass wir nie einen negativen Gedanken über uns selbst denken. Dem Anspruch, nie schlecht über uns zu denken, können wir nicht gerecht werden, weil wir kaum Kontrolle darüber haben, welche Gedanken unsere Psyche produziert. Dieser überzogene Anspruch führt eher dazu, dass wir einen bestimmten Teil unserer Psyche, nämlich unsere selbstkritischen Gedanken über uns selbst, ablehnen und uns gegen diesen Teil wehren, als wäre er ein Gegner, den wir besiegen müssen.
Eine alternative Perspektive ist, dass echte Selbstakzeptanz auch diesen inneren Kritiker umfasst, der schlecht über uns denkt. Diese selbstabwertenden Gedanken sind an sich kein Problem, solange wir rechtzeitig von ihnen defusionieren. Wenn wir defusionieren, machen wir den inneren Kritiker unschädlich. Mit der Zeit können wir auch den perfektionistischen Anspruch, die ganze Zeit perfekt defusionieren zu müssen, als Gedanken wahrnehmen. Wenn Sie bemerken, dass die Gedanken besonders hartnäckig sind, lege ich Ihnen an dieser Stelle nochmals das Freie Schreiben von Tag 8 ans Herz.