Wenn Grübeln reduziert wird, werden Zeit und Energie frei, die wieder für Handlungen genutzt werden können: Ziel ist es, aus dem Denken zurück ins Leben zu kommen und sich wichtigen Aufgaben und Werten zuzuwenden.
Handeln braucht keine vorherige Motivation: Wir sind für das Handeln nicht auf bestimmte Gedanken oder Gefühle angewiesen. Man kann trotz Unlust, Angst oder Niedergeschlagenheit handeln („trotzdem machen“).
Drei typische Strategien halten das Problem aufrecht: 1. Auf Motivation warten, 2. sich durch positive Selbstgespräche überzeugen oder 3. sich innerlich hart antreiben. Alle führen häufig zu noch mehr Grübeln.
Handeln unterbricht Grübeln: Wenn die Aufmerksamkeit auf konkrete Tätigkeiten gerichtet wird, verliert das Grübeln seine Grundlage.
Routinen helfen dabei, auch in schwierigen Phasen aktiv zu bleiben.
Die Fähigkeit, ohne Motivation zu handeln, lässt sich trainieren, z. B. durch die „Schluck den Frosch“-Methode: Die unangenehmste aufgeschobene Aufgabe wird früh erledigt, wodurch Selbstwirksamkeit und Handlungsspielraum wachsen.
Bislang ging es hauptsächlich um den Umgang mit Gedanken. Was tun wir aber mit der Zeit und Energie, die freiwerden, wenn wir das Grübeln hinter uns lassen? "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", wusste schon Erich Kästner. Entsprechend wäre mein Vorschlag: Wir kommen wieder aus den Gedanken in die Handlung und wenden uns den Dingen zu, die uns wichtig sind und die wir aufgeschoben haben, während wir unsere Zeit mit Grübeln vertan haben.
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, dass wir hierfür erst ein Gefühl von Motivation brauchen. Erst brauche ich das richtige Gefühl, dann kann ich handeln. Dies ist ein Irrtum und eine der fünf Metakognitionen, die das Kognitive Aufmerksamkeitssyndrom (CAS) aufrechterhalten. Die Wahrheit ist: Man kann es trotzdem tun. Man kann trotz der Unlust / Niedergeschlagenheit / Angst trotzdem handeln. Dies, könnte man sagen, ist das Motto des letzten Abschnitts: trotzdem machen.
Ich habe keinen Bock, aber mache trotzdem die Wäsche. Ich fühle mich niedergeschlagen, aber verschicke trotzdem den Brief an die Behörde. Ich fühle mich faul, aber gehe trotzdem noch eine Runde um den Block. Ich entscheide, was ich tue, nicht meine Gefühle und Gedanken.
Um etwas zu erledigen, worauf wir eigentlich keine Lust haben, nutzen wir in der Regel eine von drei wenig hilfreichen Strategien:
Wir warten darauf, dass sich ein Gefühl von Motivation einstellt.
Wir reden uns in einem inneren Monolog gut zu.
Wir gehen hart mit uns ins Gericht, schreien uns an wie ein innerer Drill Sergeant, beleidigen uns, um uns durch diese Härte zur Handlung zu treiben.
Wenn wir besser darin werden, Grübeln zu erkennen und abzustellen, werden wir merken, dass Antriebslosigkeit sehr viel mit Grübeln zu tun hat. "Wieso habe ich keine Motivation? Andere schaffen es doch auch. Vielleicht muss ich mich noch etwas ausruhen und habe dann die Energie? Ich habe einfach einen schlechten Tag... Aber ich habe immer schlechte Tage! Andere bekommen es doch auch hin. Es kann doch nicht sein, dass ich an dieser Mini-Aufgabe versage! Vielleicht habe ich auch noch nicht gut genug geplant." etc. Statt zu handeln, grübeln wir.
Wenn wir also Strategie 1 nutzen und auf ein Gefühl der Motivation warten, verlieren wir uns eigentlich in Grübelschleifen über die Motivation. Wenn wir uns aufraffen und es trotzdem tun, grübeln wir währenddessen weiter und reden uns ein "Es ist so anstrengend, wieso ist es so anstrengend? Wieso können mir die Dinge nicht leicht von der Hand gehen? etc." Wir grübeln wieder.
Bei Strategie 2, sich selbst gut zureden, grübeln wir ganz offensichtlich. Die Annahme hinter der Strategie lautet: "Wenn ich nur die richtigen Gedanken habe, wird mir die Handlung leicht fallen." Also lassen wir uns auf ein Tauziehen mit unseren Gedanken ein, wir nehmen sie ernst, wir konzentrieren uns auf sie, wir beschäftigen uns mit ihnen, wir denken nach, kurzum: Wir grübeln.
Das Gleiche gilt für Strategie 3, sich selbst mit Härte behandeln, sich innerlich anschreien, sich zusammenreißen, sich unerbittlich antreiben. Auch hier machen wir uns aktiv Gedanken in der Hoffnung, dass uns die Handlung gelingt, wenn wir richtig denken. Dabei brauchen wir keine bestimmten Gedanken und kein bestimmtes Gefühl, um zu handeln. Wir müssen uns nur ("nur") aus dem Bann unserer Gedanken lösen, wie eine Marionette, die die Fäden abschneidet, an denen sie der Puppenspieler bisher herumgeführt hat, und die nun selbstbestimmt und aus eigener Kraft das tun kann, was sie will.
Außerdem hilft Handeln auch gegens Grübeln. Grübeln lebt von unserer Aufmerksamkeit wie ein Feuer von Sauerstoff. Wenn wir uns wirklich auf die Handlung konzentrieren, entziehen wir dem Grübeln automatisch seine Grundlage. Das ist ja der Effekt hinter dem Aufmerksamkeitstraining (ATT).
Routinen bilden das Rückgrat des Lebens. Sie halten uns in der Bahn, auch wenn es uns schlecht geht, wie Leitplanken. Deshalb ist Handeln ohne Motivation eine unglaublich wichtige Fähigkeit, die wir trainieren können. Tatsächlich ist es aber so, dass wir besser darin sind, ohne Motivation zu handeln, als uns klar ist. Neben dem Training geht es also auch darum, wiederzuentdecken, wie gut uns das Leben auch ohne Motivation gelingen kann.
Wie trainiert man diese Fähigkeit? Zum Beispiel mit der "Schluck den Frosch"-Methode. Jeder von uns hat eine Aufgabe, die er am stärksten vermeidet oder am längsten aufschiebt. Die Steuererklärung oder eine Überweisung oder ein Formular. Das ist mein persönlicher Frosch und wenn es mir gelingt, ihn zu schlucken, werde ich besser im Handeln. Am besten schluckt man seinen Frosch direkt zu Beginn des Tages.
Letztlich wird es immer unangenehm bleiben, lästige Aufgaben zu erledigen. Aber unser Widerstand gegen das Gefühl der Lästigkeit wird schwächer. Wir schenken der Lästigkeit weniger Aufmerksamkeit, denn, ihr habt es schon geahnt, die Aufgabe wird nur lästiger, wenn wir uns stark darauf konzentrieren wie lästig sie uns ist.
Also zusammengefasst: Grübeln bindet wahnsinnig viel Energie, die frei wird, wenn wir es sein lassen, wie ein riesiges und anstrengendes Projekt, das wir auf einmal nicht mehr verfolgen müssen. Dadurch werden Zeit und Energie frei, die wir in bessere Dinge stecken können:
Was ist mir wichtig?
Welche Werte habe ich?
Wie will ich mein Leben leben?
Wie kann ich konkret daran arbeiten, mehr von dem zu tun, was ich will?
Bei wem müsste ich mich mal wieder melden?
Wovon will ich mehr in meinem Leben, wovon weniger? Und wie kann ich das umsetzen, hier und jetzt, ganz konkret?
Viel Erfolg!